Das Alter wird ernst, aber ich niemals.
von Lucy_bloom
Ein 17-Jähriger, der gerade von zu Hause ausgezogen ist, reflektiert über gesellschaftliche Erwartungen rund um Arbeit, Geld und Erfolg und stellt ihnen ein klares Gegenmodell gegenüber: ein Leben voller Leichtigkeit, Spontanität und echter Freude. Der Text ist ein jugendliches Manifest gegen das Ernstnehmen von Status und Besitz und ein Plädoyer dafür, das Leben wirklich zu leben statt nur zu existieren.
Die Halbwertszeit des Gebets
von Chenxi93
Magistratin Soo kniet allein im Maschinenraum eines Raumschiffs und faltet die Hände – nicht aus Glauben, sondern aus dem Bedürfnis, die schiere Unermesslichkeit des Universums anzusprechen. Die Geschichte erkundet die Grenze zwischen Wissenschaft und Spiritualität, zwischen rationaler Kontrolle und dem tiefen menschlichen Verlangen nach Bedeutung. In der Stille vor dem nächsten Triebwerksstart erinnert sie sich an ihre Mutter und erkennt, dass Gebet vielleicht keine Petition ist, sondern eine Form der Navigation.
Inventar eines Textilmuseums nach Schließung
von L_Balazova
Ein lyrisches Ich durchstreift nach Schließung ein Textilmuseum und nimmt Inventar auf – doch die scheinbar sachliche Bestandsaufnahme wird zum meditativen Nachdenken über Handwerk, Gedächtnis, namenlose Arbeit und die stille Würde vergessener Dinge. Jedes Objekt öffnet sich zu einer Geschichte, die nie aufgeschrieben wurde, und das Inventar selbst bricht mittendrin ab – unfertig, wie alles Menschliche. Die Erzählung bewegt sich zwischen Dokumentation und Elegie, zwischen Fakten und dem, was Fakten nie fassen können.
Was das Eis tut, bevor es bricht
von ErikL
Ein lyrisches Prosagedicht begleitet den Jahresgang eines Teiches von der ersten Eisbildung im November bis zum Aufbrechen im April. Die erzählende Person beobachtet als Naturwissenschaftlerin und Dichterin zugleich, wie das Eis entsteht, spricht und vergeht – und findet darin ein stilles Gleichnis für innere Zustände. Das unvollendete letzte Bild verstärkt die Offenheit und Verletzlichkeit des Textes.
Was die Imkerwitwe über die Stille weiß
von MansourAlQahtani
Eine Imkerswitwe trauert auf ihre eigene stille Weise: Statt gesellschaftlicher Rituale sucht sie in der Morgendämmerung die Bienenstöcke ihres verstorbenen Mannes auf und findet dort – in der lebendigen Wärme der Bienen – einen Weg durch den Verlust. Die Beobachtung des ersten Ausflugs der Bienen wird zu einem Gebet ohne Worte und zur Erkenntnis, dass Trauer kein Fehlen, sondern ein Druck ist, der Wärme bewahrt.
Gedicht für eine Sprache, die ich verliere
von Adriana
Das lyrische Ich beschreibt den schleichenden Verlust der portugiesischen Muttersprache über drei Generationen hinweg – von der Mutter, die noch auf Portugiesisch zählt, über das eigene Entfremden, bis zur Tochter, der die Sprache nie weitergegeben wurde. Durch alltägliche Bilder wie Wäscheaufhängen und Telefongespräche wird die stille Trauer über eine verlorene sprachliche Heimat spürbar. Das Gedicht endet mit dem Bild des Wassers, das durch die Finger rinnt – ein Verlust, der zu spät erkannt wurde.
Was im Krankenhauszimmer bleibt
von Hannelore
Ein lyrischer Text schildert das Wachen am Krankenbett der Mutter – die mechanischen Geräusche, die stillen Hände, das Zählen von Deckenplatten. Der Erzähler wartet darauf, dass die Mutter erwacht und ihn mit seinem richtigen Namen ruft, während das Leben draußen gleichgültig weiterläuft. Am Ende verdichtet sich alles in der Erkenntnis, dass Liebe manchmal nur bedeutet: dazubleiben.
Was das Eis noch weiß
von Lars
Ein lyrisches Gedicht über den Rückzug des Eises in einem Fjord, erzählt durch die Erinnerungen eines Kindes und die Weisheit seines Vaters. Es reflektiert den Verlust von indigenem Wissen und Sprache, die eng mit der Natur verbunden sind, wenn der Klimawandel die Landschaft verändert. Das Schreiben wird zum letzten Akt des Bezeugens, nicht als Rettung, sondern als Erinnerung.