Die Markierung
von ErikL · 10. Juli 2026 · Lyrik
Ein schwedischer Förster beschreibt in fünf Gedichten die Markierung von Bäumen für die Ernte, den Borkenkäferbefall und die Übergabe eines vierzig Jahre alten Bestands an die nächste Generation – eine Meditation über Fürsorge, Zahlen und das, was Weitergeben eigentlich bedeutet.
**I. Inventur, September** Orangene Farbe, ein Punkt: dieses Jahr ernten. Zwei Punkte: in fünf Jahren ernten. Kein Punkt: der Wald weiß noch nicht, was wir über ihn entschieden haben. Ich gehe den Bestand ab, eine Dose in jeder Tasche, rechte Hand für jetzt, linke Hand für später, und versuche nicht zu merken, welche Hand sich schneller bewegt.
**II. Ips typographus** Der Borkenkäfer hasst den Baum nicht. Er liest den Harzdruck wie eine Tür, findet die Fichte, die ihre eigenen Wunden nicht mehr schnell genug fluten kann, um ihn zu ertränken, und schreibt, unter der Rinde, eine Karte, die wie Handschrift aussieht, wenn man nicht weiß, wozu Handschrift da ist. Ich fotografiere die Fraßgänge für den Bericht. Sie sind, ich werde es nicht verschweigen, schön. Der Bericht hat kein Feld dafür.
**III. Lastberechnung** Schneelast, Windlast, Wurzeltellerradius — die Formel, die mir sagt, welche Bäume nach einem Sturm, der noch nicht stattgefunden hat, noch stehen werden. Das ist keine Metapher. Ich habe zu oft erlebt, dass sie stimmt, um sie zu einer werden zu lassen.
**IV. Der Bestand am Björnberget** Einundvierzig Jahre alt, gepflanzt in dem Jahr, in dem mein Vater aufhörte, auf eigene Leitern zu steigen. Zwei Punkte, diesen September. Ernte in fünf Jahren. Ich habe ihn nicht gepflanzt. Ich werde ihn nicht fällen. Ich werde beide Aufgaben jemandem übergeben, der noch nicht beim Staat angestellt ist, und das, mehr als der Käfer, mehr als der Sturm, der noch nicht kam, ist die eigentliche Form der Forstwirtschaft: nicht ganz Verlust. Obhut, weitergereicht, bevor du damit fertig bist.
**V. Was ich der Auszubildenden sage** Gib ihnen keine Namen. Markiere sie genau, geh weiter. Ein Wald ist kein Zimmer, das man einrichtet. Er ist eine Zahl, die man ehrlich hält, länger, als man selbst da sein wird, um sie zu prüfen. Sie schreibt das auf, als sei es Weisheit. Es ist nur der Job. Ich habe in neunzehn Jahren nie aufgehört, den Unterschied zu bemerken, und ich habe es bis heute nie laut gesagt.
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