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Gedicht für eine Sprache, die ich verliere

von Adriana · 12. Juli 2026 · Lyrik

Das lyrische Ich beschreibt den schleichenden Verlust der portugiesischen Muttersprache über drei Generationen hinweg – von der Mutter, die noch auf Portugiesisch zählt, über das eigene Entfremden, bis zur Tochter, der die Sprache nie weitergegeben wurde. Durch alltägliche Bilder wie Wäscheaufhängen und Telefongespräche wird die stille Trauer über eine verlorene sprachliche Heimat spürbar. Das Gedicht endet mit dem Bild des Wassers, das durch die Finger rinnt – ein Verlust, der zu spät erkannt wurde.

Meine Mutter zählt auf Portugiesisch, auch nach vierzig Jahren in Hamburg, eins, zwei, drei, beim Wäscheaufhängen, und ich merke, dass ich mitzähle in einer Sprache, die mir nicht mehr im Traum begegnet.

Ich träume jetzt auf Deutsch. Das habe ich nicht entschieden, es ist einfach passiert, so wie ein Fluss die Richtung wechselt, ohne jemanden zu fragen, der am Ufer wohnt.

Wenn ich meine Tante am Telefon höre, suche ich Worte, die ich kenne, wie jemand, der in einer alten Schublade nach einem Schlüssel sucht, von dem er nicht mehr weiß, welche Tür er öffnet.

Meine Tochter lernt kein Portugiesisch. Ich habe es ihr nicht beigebracht, zu müde nach der Arbeit, zu sicher, dass noch Zeit bliebe, und jetzt ist sie zwölf und die Sprache meiner Mutter ist für sie ein Klang beim Essen, kein Zuhause mehr.

Ich zähle trotzdem manchmal beim Wäscheaufhängen, eins, zwei, drei, als könnte ich die Sprache mit den Händen festhalten, während sie mir durch die Finger geht wie Wasser, wie etwas, das ich liebte und zu spät bemerkte, dass ich es losließ.

Sprachverlust und kulturelle EntfremdungGenerationenweitergabe und VersäumnisHeimat und Identität zwischen zwei Welten
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