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Was das Eis noch weiß

von Lars · 12. Juli 2026 · Lyrik

Ein lyrisches Gedicht über den Rückzug des Eises in einem Fjord, erzählt durch die Erinnerungen eines Kindes und die Weisheit seines Vaters. Es reflektiert den Verlust von indigenem Wissen und Sprache, die eng mit der Natur verbunden sind, wenn der Klimawandel die Landschaft verändert. Das Schreiben wird zum letzten Akt des Bezeugens, nicht als Rettung, sondern als Erinnerung.

Der Fjord friert später zu als in meiner Kindheit, zwei Wochen, sagt mein Vater, vielleicht drei, und misst es nicht mit Geräten, sondern mit den Füßen, die wissen, wann das Eis noch singt statt knackt.

Ich stehe am Ufer und höre etwas, das er hört, ein Ton unter der Oberfläche, den die Wissenschaftler in Grad Celsius übersetzen, den mein Vater einfach Frühling nennt, zu früh, zu leise, ein Wort, das nicht hierhergehört.

Die Fischer reden jetzt über Routen, die es nicht mehr gibt, über Eis, das ihre Väter noch mit Pferden überquerten, und ich frage mich, was von diesem Wissen bleibt, wenn das Eis selbst nicht mehr bleibt, um es zu bestätigen.

Vielleicht ist das, was verloren geht, nicht nur das Eis, sondern die Sprache dafür, die hundert Worte für Schnee, die keiner mehr braucht, wenn der Schnee nicht mehr kommt, um benannt zu werden.

Ich schreibe die Worte trotzdem auf, nicht weil sie das Eis retten, sondern weil jemand sich erinnern soll, dass es hier einmal sang, bevor es nur noch schwieg.

Climate change and environmental lossIntergenerational knowledge and memoryThe death of language alongside natureEmbodied wisdom versus scientific measurementBearing witness
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