Thema
Stille & Einsamkeit
Manche Geschichten entstehen aus der Stille – aus dem Alleinsein, dem Rückzug und den Momenten, in denen niemand zusieht. Auf Fireside findest du Geschichten über Stille und Einsamkeit von echten Autoren: mal als Last, mal als Zuflucht, immer ehrlich. Lies kostenlos die neuesten Geschichten über das Alleinsein.
Was man nicht sagt
von lena_brenner
Lena und Daniel haben eine Sprache ohne Worte. Kaffee der einfach da ist. Ein Bis-Montag das mehr bedeutet. An einem Aprilabend sprechen sie zum ersten Mal ueber ihre Angst.
Die Lampe
von lena_brenner
Ein neuer Kollege hat eine Lampe seiner Grossmutter im Buero. Lena bemerkt sie bevor sie ihn bemerkt. Drei Wochen und ein stilles Lehrerzimmer spaeter.
Was ich mit vierzehn schrieb
von chidi_okafor
Chidi erinnert sich an die erste Geschichte mit 14 — ein Satellit der ins Leere sendet. Über Anfänge, Originalität, und warum man weiterschreibt.
5:12
von WernerK
Seit der Pension wacht Werner täglich um 5:12 auf — drei Minuten vor dem alten Wecker. Er sitzt, schaut auf die Straße, trinkt kalten Kaffee. Eine kleine beobachtete Absurdität die in einen letzten Satz über Gerda mündet.
Leipzig Nordost um halb sechs
von Tobias
Leipzig Nordost um halb sechs — die Stadt weiß noch nicht was sie ist. Weder Gentrifizierung noch Plattenbau, nur Licht in Fenstern und ein Hund mit Meinung. Die Nikolaikirche ist nicht zu sehen aber da. 1989, Kerzen, Montage. Um halb sechs kann man sich vorstellen was als nächstes passiert. Um Mitternacht nicht.
Türen
von Tobias
Türen die nicht aufgehen: meistens ist jemand zu Hause. Heidegger — vereinfacht, er würde es hassen — würde sagen Abwesenheit ist Präsenz. Die Tür sagt: heute nicht, ich bin da aber nicht verfügbar. Tobias respektiert das. Weniger respektiert er die Leute die Telekinese erwarten.
Bern am Sonntag
von Rudi
Bern am Sonntag: geschlossen, leer, ordentlich — eine städtische Entscheidung. Die Bären im Bärenpark zeigen philosophische Überlegenheit. Rudi macht sonntags Torten die er nicht verkauft. Letzte Woche ein neunstöckiger Turm mit einer Praline oben. Er isst ihn alleine. Guter Sonntag.
48 Stunden
von Lars
Lars fährt alleine zwei Tage in den Sognefjord. Am zweiten Morgen hört er auf den Fjord als Kulisse zu sehen. Nach dreißig Stunden werden die Gedanken still. Er verkauft das Boot im Oktober. Er hätte es behalten sollen.
Keine Aufträge
von Jakub
Ohne Aufträge zeichnet Jakub was vor ihm liegt — ein vergessenes Wasserglas, ein Schuh, ein Riss, ein Rohr ohne bekannten Zweck. Im Dezember schaut er die Zeichnungen an: das ist genau wie sein November aussah. Wem das sonst richtig scheinen würde weiß er nicht. Aber das ist keine neue Situation.
Nächte die nicht enden
von Helga
Islands Winternacht beginnt um drei Uhr nachmittags. Helga hat 35 Jahre Nachtschichten darin gemacht. Vertrautheit mit der Dunkelheit, nicht Komfort. Im ersten Winter nach der Rente bleibt sie zweimal die ganze Nacht auf — nur um sich zu erinnern.
Der Brief
von Hannelore
Ein Klinikbrief für eine alleinstehende Frau. Hannelore hält ihn eine Minute in der Hand. Dann wirft sie ihn ein. Sie weiß nicht ob das die richtige oder nur die einfachere Entscheidung war. Frau Lühmann lebte noch viele Jahre.
Nummer 14
von Hannelore
Hannelore beliefert dreißig Jahre lang eine Adresse wo jeden zweiten Tag ein handgeschriebener Brief ankommt. Sie schaut es erst in der Pension nach. E. Brandt. Das war genug zu wissen.
November
von Giulia
Giulia beschreibt Florenz im November wenn die Touristen weg sind — das Licht, die Stille, die Stadt die zu sich selbst zurückfindet. Endet mit einem Satz des Restaurantbesitzers der alles sagt.
Die Frau in Grün
von Giulia
Giulia verbringt vier Monate mit der Restaurierung eines namenlosen Frauenporträts aus dem 16. Jahrhundert. Sie beschreibt was entsteht wenn man so lange mit einem Gesicht arbeitet. Der letzte Satz ist so einfach wie er ist.
Februar
von FionaMacAllister
Fiona beschreibt den Februar auf dem Hof — keine Autos, kein Besuch. Und warum sie das nicht stört. Endet mit einem Satz über ihre Tochter und das was zwischen den Worten liegt.
Die Donau
von Eszter
Die Donau in Budapest ist breiter als erwartet, nie ganz blau. Sie erklärt warum Budapest dort ist wo es ist. Eszter geht abends daran entlang. Der Fluss bewegt sich Richtung Meer, unbekümmert um beide Ufer. Sie findet das tröstlich auf eine Art die wahrscheinlich etwas über sie sagt.
Erste Jagdsaison
von ErikL
Erik erinnert sich an die erste Jagdsaison mit seinem Vater — langes Schweigen, kein Wild, und ein einziger Satz auf der Heimfahrt der alles erklärt. Sein Vater starb vor zwölf Jahren. Die Stille bleibt.
Der Sturm
von ErikL
Ein Herbststurm legt ein Drittel von Eriks Waldabschnitt nieder. Er begeht den Schaden alleine. Eine Birke die alles gehalten hat gibt ihm keine Erklärung. Drei Wörter mit seiner Frau am Abend.
Drei Uhr morgens
von Cormac
Cormac fängt um drei Uhr morgens an. Diese Stunde hat eine Qualität die keine andere hat. Er denkt an Sauerteig auf Irisch, an seine Gitarre, an Tochter Siobhan die Bäckerin werden will bis sie den Arbeitsbeginn kennt.
Der letzte Dienst
von Beatrice
Beatrices letzter Dienst — ein gewöhnlicher Dienstag. Hähnchen mit Estragon, Gratin, Tarte tatin. Sie kocht was sie kennt. Räumt auf wie immer, schaltet Lichter aus wie immer. Sie hatte etwas Besonderes erwartet zu fühlen. Sie fühlt Müdigkeit. Das schien ungefähr richtig.
Gleich
von AnnaLiisa
Die Sauna ist der einzige Ort wo niemand etwas vorspielt — alle gleich würdelos. Anna-Liisa geht freitags mit ihrer Schwester. Letzte Woche fragte die Schwester ob sie in Tampere bleibt. Wahrscheinlich. Okay. Zwanzig Minuten Stille. Das war genug Gespräch.
Kilometer 35
von AnnaLiisa
Erster Marathon mit 44. Bei Kilometer 35 denkt Anna-Liisa nur noch an ihr Sofa. Und daran wer die Distanz auf 42km festgelegt hat — bei km 38 ist das unzureichend begründet. Sie kommt in 4:12 an, sitzt neben einer Fremden auf dem Bordstein. Meldet sich im November wieder an.
Herr Leinonen
von AnnaLiisa
Herr Leinonen kommt wegen des Rückens. Der Rücken wird besser, seine Stimmung schlechter. Seine Frau ist seit Januar in Rente und jetzt tagsüber zu Hause. Sie machen zwei Monate weiter — nicht für den Rücken. Beim Abschied schüttelt er ihr die Hand. Finnische Patienten tun das fast nie.
Was der Körper erinnert
von AnnaLiisa
Anna-Liisa beschreibt was Körper erinnern wenn der Kopf es nicht tut — bei Patienten, und bei sich selbst. Schultern auf bestimmten Straßen. Atmung bei bestimmten Liedern. Der Körper wartet nur darauf dass man fragt.
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