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Die Lampe

von lena_brenner · 24. Juni 2026 · Liebesroman

Ein neuer Kollege hat eine Lampe seiner Grossmutter im Buero. Lena bemerkt sie bevor sie ihn bemerkt. Drei Wochen und ein stilles Lehrerzimmer spaeter.

Es war die Lampe, die sie bemerkte, bevor sie ihn bemerkte.

Eine kleine Stehlampe in der Ecke seines Büros, Messingfuß, cremeweißer Schirm, das Licht warm und ein bisschen schief wie ein Sonnenhut, der sich in der Hitze verzogen hat. Die Lampe hatte offensichtlich nichts in einem modernen Büro zu suchen. Sie sah aus wie etwas, das jemand aus Sentimentalität oder aus Sturheit behalten hatte.

Lena war wegen einer Prüfungsangelegenheit gekommen. Ein Schüler behauptete, dass der neue Mathematiklehrer — Daniel Brenner, erst seit September hier — ihn ungerecht bewertet habe.

Er öffnete die Tür auf den zweiten Klopfer. Sah sie an. Sagte ohne erkennbare Überraschung: »Sie sind wegen Tomas.«

»Ich bin wegen Tomas.«

»Ich hab auf Sie gewartet.«

Das war keine typische Begrüßung zwischen zwei Kollegen. Lena kam herein, sah die Lampe, und er sah, wie sie die Lampe ansah.

»Ich weiß«, sagte er. »Sie hat hier nichts zu suchen.«

»Ich habe nichts gesagt.«

»Ihr Gesicht hat etwas gesagt.«

Sie besprachen den Fall. Er hatte recht über Tomas: intelligent, hatte einen Fehler gemacht, wollte ihn nicht eingestehen. Er würde ihm eine Chance geben, die Arbeit nachzubessern. Nicht weil der Schüler recht hatte. Sondern weil neunzehn ein Alter ist, in dem man noch lernen kann, einen Fehler einzugestehen.

Das war das Richtige. Es war auch das, was sie gesagt hätte.

»Danke«, sagte sie. Sie stand auf. Er stand ebenfalls auf — die Art von Mensch, die aufsteht, wenn jemand anderes aufsteht, was seltener war als man dachte.

»Die Lampe«, sagte sie, weil sie es nicht lassen konnte.

»Sie war von meiner Großmutter. Ich nehme sie immer mit.« Eine kurze Pause. »Sie hat immer bei dieser Lampe gelesen. Es gefällt mir, dass sie noch immer Licht zum Lesen spendet.«

Lena betrachtete die Lampe. Den cremeweißen Schirm. Das warme, schiefe Licht.

»Das ist eine sehr vernünftige Erklärung«, sagte sie.

»Ja«, sagte er, leicht amüsiert.

Im Flur dachte Lena: er ist zehn Jahre jünger, und das war ein sechzehnminütiges Gespräch über eine Prüfungsarbeit.

Sie dachte auch: er hat auf mich gewartet.

Zwei getrennte Gedanken. Vorerst.

---

Drei Wochen später saßen sie nach einer Konferenz noch im Lehrerzimmer, als die anderen bereits gegangen waren. Beide hatten noch Arbeit. Er hatte die Lampe nicht dabei.

»Sie haben die Lampe nicht mitgebracht.«

»Ich lasse sie jetzt im Büro.« Er sah von seinen Unterlagen auf. »Sie macht das Büro weniger —«

»Amtlich?«

»Genau das.« Das kleine Lächeln. Kein Auftrittslächeln.

Sie korrigierten nebeneinander. Stille, bis auf gelegentliches Papierrascheln und das Summen der Heizung.

»Mögen Sie es noch?« fragte er. »Das Unterrichten.«

»Manche Tage.«

»Welche?«

»Die Tage, an denen jemand etwas versteht, das er gestern noch nicht verstanden hat.« Sie hörte auf. »Es ist das Beste, was ich kenne.«

Er sah sie an mit dem Ausdruck von jemandem, der eine Antwort bekommen hat, die er für möglich, aber nicht für wahrscheinlich gehalten hatte.

»Ich kenne das«, sagte er.

Sie glaubte ihm.

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