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Was man nicht sagt

von lena_brenner · 24. Juni 2026 · Liebesroman

Lena und Daniel haben eine Sprache ohne Worte. Kaffee der einfach da ist. Ein Bis-Montag das mehr bedeutet. An einem Aprilabend sprechen sie zum ersten Mal ueber ihre Angst.

Es gab eine Sprache zwischen ihnen, die keine Worte hatte.

Das hatte Lena nicht gewollt. Sie hatte nach dem Tod ihres Mannes sehr bewusst gelernt, Dinge direkt zu sagen — klar, ohne Umwege. Mit Daniel war das anders. Nicht weil er nicht direkt gewesen wäre, sondern weil es Dinge gab, die zwischen ihnen standen, ohne ausgesprochen werden zu müssen.

Er brachte ihr manchmal Kaffee. Nicht jeden Tag, ohne Ankündigung. Er stellte ihn einfach auf ihren Stapel Hefte, wenn er vorbeikam, mit einem kurzen Nicken, das hieß: da ist Kaffee, weil Sie vergessen, Kaffee zu trinken, wenn Sie korrigieren.

Das stimmte. Wie er das wusste, hatte sie nie gefragt.

Im März hielt er im Regen neben ihr an. Dann saß sie neben ihm, während Wien in der Dunkelheit vorbeizog, und keiner sagte etwas Bedeutsames. Am Ende sagte er »Bis Montag« statt »Auf Wiedersehen«.

Nicht Bis Montag. Sondern: ich habe den ganzen Tag an Sie gedacht.

Oder vielleicht war es einfach Bis Montag. Das war das Problem mit Sprachen ohne Worte: man konnte sie missverstehen.

Es gab Abende, an denen sie nach Hause kam und dachte: ich möchte ihm erzählen, was heute passiert ist. Das hatte sie mit ihrem Mann gehabt. Das Erste, was sie nach seinem Tod vermisst hatte — nicht die großen Dinge, nicht die Reisen oder die Pläne, sondern: jemanden zu haben, dem man erzählen konnte, was am Dienstag im Supermarkt passiert war.

Sie hatte geglaubt, das nicht mehr haben zu wollen. Was vielleicht nicht dasselbe war.

An einem Freitagabend im April saßen sie in der Küche seiner Wohnung und aßen etwas, das er gekocht hatte — gut, ohne dabei selbstbewusst gut zu sein. Die Lampe stand auf der Fensterbank. Er hatte sie irgendwann doch nach Hause mitgenommen.

»Ich habe Angst«, sagte Lena.

Er hörte auf zu essen. Sah sie an. »Wovor?«

»Davor, mich daran zu gewöhnen. Daran, dass Sie da sind. Und dann —« Sie brach ab.

Er legte das Besteck hin. War still auf die Art, die denkt.

»Ich habe auch Angst«, sagte er dann.

»Wovor?«

»Dass es nicht reicht. Was ich Ihnen geben kann.«

Lena sah ihn an — diesen Mann, der zehn Jahre jünger war und sich trotzdem nicht jünger anfühlte, der eine Lampe seiner Großmutter in jedes Büro mitnahm und wusste, wann sie ihren Kaffee vergaß.

»Das ist das Falscheste, was Sie je gesagt haben«, sagte sie.

Er sah hoch.

»Das reicht«, sagte sie. »Es reicht mehr als genug.«

Draußen war es April und Wien, und das Licht der Lampe fiel schief und warm auf den Tisch zwischen ihnen.

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