Thema
Werte: Vertrauen & Würde
Manche Geschichten handeln von dem, was uns im Innersten trägt – von Vertrauen, Würde und der Frage, wie man aufrecht bleibt. Auf Fireside findest du Geschichten über gelebte Werte von echten Autoren, ohne erhobenen Zeigefinger. Lies kostenlos die neuesten Geschichten über Vertrauen und Würde.
Was man nicht sagt
von lena_brenner
Lena und Daniel haben eine Sprache ohne Worte. Kaffee der einfach da ist. Ein Bis-Montag das mehr bedeutet. An einem Aprilabend sprechen sie zum ersten Mal ueber ihre Angst.
Der Zeuge
von valentina_cruz
Ein eljaehriger Zeuge hat etwas gesehen das er nicht sehen sollte. Valentina befragt ihn -- mit dem vollen Gewicht dessen was sie als naechstes von ihm verlangen muss.
Der Reparaturmann
von chidi_okafor
In Lagos kommt jeden Donnerstag ein Reparaturmann ohne Visitenkarte. Als Adaeze ein Geraet bekommt das Dinge vorhersagt, ist er der Einzige der weiss was es ist.
Was kein Buchhalter sieht
von Thomas
Thomas beschreibt was sein Steuerberater nicht aufschreibt — die Alarme um halb drei, die abgesagten Urlaube, sein fünfjähriger Sohn der nickt als hätte er verstanden dass Kühe auch im August gemolken werden.
Das Rezept
von Rudi
Rudis Großmutter hütet ihr Mandelkuchenrezept. Er rekonstruiert es in vier Jahren durch Beobachtung. Erste Preis in Zürich. Er sagt es ihr. Sie sagt: du nimmst zu wenig Zitronenschale. Er versteht immer noch nicht wie sie das weiß.
Karamell
von Rudi
Zucker bei 160 Grad hört auf so zu tun als ob — er wird Karamell, er riecht nach sich selbst. Rudi sucht seitdem diese Temperatur überall. Bei Menschen ist sie schwerer zu finden. Er ist 27 und arbeitet daran sie zu finden ohne dabei zu verbrennen.
Rotterdam
von Pieter
Pieter verteidigt Rotterdam gegen seinen Ruf. Kein mittelalterliches Zentrum, keine Kanäle — stimmt alles. Aber: interessanteste Skyline der Niederlande, Wasser auf drei Seiten, Licht am Nachmittag. Jeder der nichts erwartet hat fährt mit Fotos heim.
Frau Kavanagh
von Maggie
Eine Tochter ruft an: ihre Mutter ist gestorben, sie hatte 60 Jahre lang jeden Freitag dieselbe Frisur. Maggie kommt und macht sie. Die Tochter sagt hinterher: das ist genau sie. Maggie fährt heim, macht Tee, denkt eine Weile an nichts.
Was sie erzählen
von Maggie
In 30 Jahren hat Maggie gehört: Affären, Testamente, Geschäftspläne, Priestermeinungen für Bischöfe. Leute denken sie reden mit dem Spiegel. Sie reden mit ihr. Sie gibt nichts weiter — nicht aus Diskretion, aus Selbsterhaltung.
Frau Devlin
von Maggie
Mrs Devlin will dreiundzwanzig Jahre lang immer dasselbe. Dann sitzt sie im Juni 2017 hin und sagt: ich weiß nicht was ich will. Sie reden eine Stunde. Nicht über die Haare. Sie weint im Stuhl — nicht wegen der Haare. Maggie fragt nicht. Erstes Trinkgeld in 23 Jahren.
Was er wusste
von Lars
Lars Vater war nie auf einem Segelboot. Aber er kann Wetter lesen — zehn Sekunden in den Himmel und er weiß was kommt. Lars denkt manchmal an ihn wenn er Wetterberichte auf dem Handy checkt. Wahrscheinlich würde er sagen: kein Grund zu checken. Lars checkt trotzdem.
Der Brief
von Hannelore
Ein Klinikbrief für eine alleinstehende Frau. Hannelore hält ihn eine Minute in der Hand. Dann wirft sie ihn ein. Sie weiß nicht ob das die richtige oder nur die einfachere Entscheidung war. Frau Lühmann lebte noch viele Jahre.
Nummer 14
von Hannelore
Hannelore beliefert dreißig Jahre lang eine Adresse wo jeden zweiten Tag ein handgeschriebener Brief ankommt. Sie schaut es erst in der Pension nach. E. Brandt. Das war genug zu wissen.
Andrew
von FionaMacAllister
Fiona erinnert sich wie Andrew mit zwölf sein erstes Lamm alleine zur Welt brachte. Jetzt ist er Tierarzt. Er wollte den Hof nicht — und sie hat es gewusst bevor er es sagte.
Das Buch das bleibt
von Eszter
Ein ungarischer Roman von 1973 — Eszter hat ihn 17 Jahre lang nicht verkauft, obwohl Kunden ihn wollten. Sie findet immer einen Grund etwas anderes vorzuschlagen. Die praktische Lösung: sich ein eigenes Exemplar kaufen. Sie hat es nicht getan — denn dann müsste sie zugeben dass das Ladenexemplar nie das Ladenexemplar war.
Frau Patterson
von Bob
Mrs Patterson seit 1987, nie eine Karies, immer pünktlich, floss, dieselbe Zahnpasta seit 1992, nie eine Rechnung hinterfragt. Zur Rente: eine Karte, unterschrieben Margaret Patterson, nicht Peggy — sehr Mrs Patterson. Bob hält sie auf dem Schreibtisch. Was sie repräsentiert: wer lange genug richtig arbeitet und die richtige Person auftaucht, bekommt eine Karte von Mrs Patterson. In 35 Jahren eine. Meistens ausreichend.
Die Zahnseide-Frage
von Bob
Die häufigste Lüge beim Zahnarzt: ja, ich seide täglich. Bob hat eine höfliche Umschreibung entwickelt. Die beste Ausrede: es fühlt sich an wie nachgeben. Er konnte nicht ganz widersprechen. Seine Frau: er hätte mitfühlender sein sollen. Wahrscheinlich. Aber nach so vielen vermeidbaren Schäden hört etwas auf den Leuten den Vorteil des Zweifels zu geben.
Der letzte Dienst
von Beatrice
Beatrices letzter Dienst — ein gewöhnlicher Dienstag. Hähnchen mit Estragon, Gratin, Tarte tatin. Sie kocht was sie kennt. Räumt auf wie immer, schaltet Lichter aus wie immer. Sie hatte etwas Besonderes erwartet zu fühlen. Sie fühlt Müdigkeit. Das schien ungefähr richtig.
Zu simpel
von Beatrice
Ein Gast nennt Beatrices Essen zu simpel. Sie bringt ihm denselben Teller, bittet ihn langsamer zu essen. Er kommt zwei Wochen später wieder und sagt nichts. Ihr Fazit: Einfachheit ist Komplexität die ihre richtige Größe gefunden hat.
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