Frau Devlin
von Maggie · 18. Juni 2026 · Erzählungen & Kurzgeschichten
Mrs Devlin will dreiundzwanzig Jahre lang immer dasselbe. Dann sitzt sie im Juni 2017 hin und sagt: ich weiß nicht was ich will. Sie reden eine Stunde. Nicht über die Haare. Sie weint im Stuhl — nicht wegen der Haare. Maggie fragt nicht. Erstes Trinkgeld in 23 Jahren.
Mrs Devlin kam das erste Mal 1994 zu mir und wollte dreiundzwanzig Jahre lang dasselbe: nachschneiden, einen Zentimeter, dieselbe Form. Ich hätte es ab etwa 2003 mit geschlossenen Augen gemacht. Ich habe es bei mehr als einer Gelegenheit mit halb geschlossenen Augen gemacht, was ich jetzt zugebe da sie nach Wicklow gezogen ist.
Im Juni 2017 setzte sie sich hin und sagte: ich möchte etwas anderes. Ich sagte: anders wie? Sie sagte: ich weiß nicht. Ich hatte sie noch nie sagen hören dass sie irgendetwas nicht weiß. Sie war eine Frau die in jeder Hinsicht genau wusste was sie wollte.
Wir redeten ungefähr eine Stunde bevor ich die Schere nahm. Nicht über die Haare — über ihre Tochter die gerade nach Australien gegangen war, ihren Mann der in Rente gegangen war und jetzt den ganzen Tag zu Hause war, einen Urlaub den sie fünfzehn Jahre lang geplant und nicht gemacht hatte. Dann sagte sie: gut, machen wir es. Ich nahm zehn Zentimeter ab und gab ihr eine völlig andere Form.
Sie weinte ein wenig im Stuhl. Nicht wegen der Haare. Ich fragte nicht. Sie ging und sah ungefähr sechs Jahre jünger aus und gab mir zwanzig Euro Trinkgeld, was sie in dreiundzwanzig Jahren kein einziges Mal getan hatte.
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