Thema
Erinnerung & Zeit
Erinnerung und Zeit erzählen von dem, was bleibt und was vergeht – von Vergangenem, das plötzlich wieder da ist. Auf Fireside findest du Geschichten über Erinnerung und Vergänglichkeit von echten Autoren. Lies kostenlos die neuesten Geschichten über Erinnerung und Zeit.
Was im Krankenhauszimmer bleibt
von Hannelore
Ein lyrischer Text schildert das Wachen am Krankenbett der Mutter – die mechanischen Geräusche, die stillen Hände, das Zählen von Deckenplatten. Der Erzähler wartet darauf, dass die Mutter erwacht und ihn mit seinem richtigen Namen ruft, während das Leben draußen gleichgültig weiterläuft. Am Ende verdichtet sich alles in der Erkenntnis, dass Liebe manchmal nur bedeutet: dazubleiben.
Grundteig für Alles
von Rudi
Ein Konditor findet in seiner übernommenen Backstube eine handgeschriebene, namenlose Rezeptkarte für einen unheimlichen 'Grundteig für Alles' — und berichtet, was geschah, als er sie einmal befolgte, inklusive einer Kundin, die im fertigen Brot exakt den Geschmack der Küche ihrer toten Schwester erkannte.
Vier Male an einem unverkäuflichen Buch
von Eszter
Eszter erzählt die Geschichte eines Petőfi-Gedichtbands anhand seiner vier physischen Spuren — Brandfleck, ausgestrichener Name, abgenutzte Seite, abgekratzter Stempel — inklusive einer erstmals erzählten Szene, wie ihre Großmutter 1956 einen jungen Mann namens Ferenc schützte und später seinen Namen unkenntlich machte.
Schnee (Lügen die alle erzählen)
von amara_osei
Amara erlebt den ersten Schnee. Alle sagten er ist schön, niemand sagte er ist still. Ein staunendes Protokoll eines ersten Mals.
Das Gulasch
von WernerK
Gerdas Tod kündigt sich in einer kleinen Küchen-Szene an — sie zeigt Werner ihr Gulasch-Rezept, ohne dass er versteht warum. Erst danach begreift er was sie tat.
Die Strecke
von WernerK
Werner beschreibt Haltestellen und Güterverladestellen auf der Westbahnstrecke die es nicht mehr gibt. Zwischen ruhiger Beobachtung und einem unerwarteten Satz über seine Frau.
Der letzte Tag
von Sofia
Sofia weint seit 28 Jahren am letzten Schultag. Nicht aus Traurigkeit — weil etwas aufhört zu existieren. Letzten Juni holte Stavros seinen eigenen Sohn ab. Er weinte 2010 drei Wochen lang morgens. Sein Sohn kein einziges Mal. Sofia weinte danach wegen mehr als einer Sache.
Das Licht über Katendrecht
von Pieter
November 2016, ohne Kamera: das Licht auf den Lagerhäusern von Katendrecht tut etwas Einmaliges, vier Minuten lang. Pieter sieht zu. Ein Foto existiert nach einem. Das Licht existiert nur in seiner Erinnerung. Es war sein Licht auf seinen Gebäuden — und er hat es nicht behalten.
Der kleine Prinz
von Paul
Pauls Exemplar von De Kleine Prins hat er seit er sieben ist. Der Einband hält nur noch durch gelbes Klebeband. Er hat es nie eingezeichnet — Respekt, wofür auch immer. Er war nie sicher was es bedeutet, aber jedes Mal sicher dass es etwas bedeutet. Das ist selten. Er behält es deswegen.
Sofia
von Nikolai
Die Straße wo Nikolai aufwuchs: Apotheke wo Buchhandlung war, Kaffeekette wo Apotheke war. Was bleibt: Vitosha, Balkon-Tomaten, die alten Straßenbahnrouten. Seine Söhne in Berlin und Toronto finden Sofia verändert und vertraut. Eine Stadt die nur bleibt oder nur wechselt hat aufgegeben. Sofia nicht.
Die Straße
von Magdalena
Das Café an Magdalenas Ecke hat dreimal gewechselt. Ihre Nachbarin erinnert sich an eine Bäckerei die jetzt ein Handyreparaturladen ist. Magdalena fragt sich was sie in sechzig Jahren vermissen wird.
Bigos
von Magdalena
Magdalena versucht das Bigos-Rezept ihrer Mutter nachzumachen. Die Mutter gibt ihr Mengenangaben die sie selbst nicht benutzt. „Es war sehr gut" bedeutet: noch nicht richtig. Sie macht weiter.
Die Schublade
von Magdalena
Magdalena öffnet nach dem Tod ihrer Großmutter eine Schublade die als Kind privat war. Was sie findet sind kleine Dinge ohne Erklärung. Sie legt alles zurück und schließt sie wieder.
Der Pullover
von Helga
Der Lopapeysa ihrer Mutter liegt seit 40 Jahren im Schrank. Ein einzigartiges Muster, auf einen Kassenbon geschrieben den sie nicht mehr findet. Helga trägt ihn nicht. Er passt noch. Manche Dinge sind zum Aufbewahren, nicht zum Benutzen.
Berührung
von Giulia
Giulia beschreibt die ungeschriebenen Regeln des Berührens in der Restauration. Und den Moment wenn man nah genug an einer alten Oberfläche ist um an die letzten Hände zu denken die sie vor 400 Jahren berührt haben.
Die Frau in Grün
von Giulia
Giulia verbringt vier Monate mit der Restaurierung eines namenlosen Frauenporträts aus dem 16. Jahrhundert. Sie beschreibt was entsteht wenn man so lange mit einem Gesicht arbeitet. Der letzte Satz ist so einfach wie er ist.
Was der Körper erinnert
von AnnaLiisa
Anna-Liisa beschreibt was Körper erinnern wenn der Kopf es nicht tut — bei Patienten, und bei sich selbst. Schultern auf bestimmten Straßen. Atmung bei bestimmten Liedern. Der Körper wartet nur darauf dass man fragt.
Trost und Eindruck
von Adriana
Trösten vs. Imponieren: keine Frage der Technik, sondern der Absicht. Das beste Essen: in Häusern, nicht Restaurants. Den Bacalhau der Großmutter versucht sie seit 30 Jahren zu recreieren — jetzt versteht sie: sie recreiert nicht das Gericht, sondern den Freitagnachmittag. Technik lässt sich übertragen. Absicht nicht.
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