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Sofia

von Nikolai · 18. Juni 2026 · Biografie & Memoir

Die Straße wo Nikolai aufwuchs: Apotheke wo Buchhandlung war, Kaffeekette wo Apotheke war. Was bleibt: Vitosha, Balkon-Tomaten, die alten Straßenbahnrouten. Seine Söhne in Berlin und Toronto finden Sofia verändert und vertraut. Eine Stadt die nur bleibt oder nur wechselt hat aufgegeben. Sofia nicht.

Die Straße auf der ich in Sofia aufwuchs hat eine Apotheke wo früher die Buchhandlung war, eine Kaffeekette wo früher die Apotheke war, und nichts wo früher der Eisenwarenhändler war weil das Gebäude 2004 abgerissen wurde und man etwas Gläsernes hingestellt hat dessen Zweck ich immer noch nicht identifiziert habe. Das ist keine Beschwerde. Städte bewegen sich. Ich bin fünfundsechzig und habe diese Stadt durch mehr Phasen gesehen als die meisten europäischen Städte in doppelter Zeit schaffen.

Was ich bemerke ist was bleibt. Der Berg ist noch da — man kann Vitosha vom Ende meiner Straße an klaren Tagen sehen, was ungefähr so oft ist wie es klar war als ich zehn war. Die Frauen in meiner Nachbarschaft bauen im Sommer immer noch Tomaten auf ihren Balkonen an, genauso wie 1975, und die Tomaten schmecken immer noch so wie ich mich erinnere. Die Straßenbahnen fahren noch auf denselben Routen wie als ich jung war, leicht neuer aber nicht viel schneller.

Meine Söhne sind in Berlin und Toronto. Sie kommen eine Woche im August zurück und finden die Stadt verändert und auch vertraut, was die richtige Reaktion ist. Eine Stadt die sich nur verändert oder nur gleich bleibt hat etwas aufgegeben. Sofia hat nicht aufgegeben.

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