Die Straße
von Magdalena · 18. Juni 2026 · Literarischer Roman
Das Café an Magdalenas Ecke hat dreimal gewechselt. Ihre Nachbarin erinnert sich an eine Bäckerei die jetzt ein Handyreparaturladen ist. Magdalena fragt sich was sie in sechzig Jahren vermissen wird.
Das Café an der Ecke meiner Straße hat in den letzten drei Jahren zweimal den Besitzer gewechselt. Beim ersten Mal wurde es ein Ort der Eier auf zwölf Arten servierte und Speisekarten nur auf Englisch hatte. Beim zweiten Mal wurde es eine Bar die bis Mitternacht Musik spielt die ich nicht zuordnen kann, was ich wegen meines Schlafzimmerfensters weiß.
Ich bin mir bewusst dass Städte so funktionieren. Dinge schließen, Dinge öffnen, die Zusammensetzung verschiebt sich. Ich lese manchmal über Kraków im neunzehnten Jahrhundert — die Gebäude an denen ich täglich vorbeigehe, was sie damals waren — und die Veränderungsrate jetzt ist nach keinem historischen Maßstab ungewöhnlich. Das weiß ich.
Meine Nachbarin Frau Kwiatkowska ist siebenundachtzig und lebt seit 1959 in ihrer Wohnung. Sie erinnert sich wenn die ganze Straße nach Brot roch von der Bäckerei die jetzt ein Handyreparaturladen ist. Sie erwähnt es gelegentlich, nicht verbittert, nur als Information. Eine Entfernungsmessung.
Ich frage mich was ich mich erinnern werde wenn ich in ihrem Alter bin. Wahrscheinlich das Café das Eier auf zwölf Arten servierte, und zu denken dass das der Anfang von etwas war.
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