Die Strecke
von WernerK · 18. Juni 2026 · Biografie & Memoir
Werner beschreibt Haltestellen und Güterverladestellen auf der Westbahnstrecke die es nicht mehr gibt. Zwischen ruhiger Beobachtung und einem unerwarteten Satz über seine Frau.
Auf der Westbahnstrecke gibt es zwischen Amstetten und Wels ein paar Haltestellen die heute kaum noch jemand kennt, weil die Schnellzüge durchfahren und nur die Regionalbahn hält, und einer dieser Orte heißt Blindenmarkt, was immer schon ein eigenartiger Name war, und ich bin dort weit über tausendmal durchgefahren ohne je ausgestiegen zu sein. Was ich gesehen habe war immer das Gleiche: ein kleiner Bahnsteig, ein Wartehäuschen das einmal gelb war und irgendwann grau wurde, manchmal ein Fahrrad das jemand angekettet hatte, manchmal niemand. Das klingt trist aber war es nicht, oder ich habe es nie so empfunden. Diese kleinen Stellen haben existiert ohne dass sie von irgendjemandem beachtet wurden, und das hat mir imponiert auf eine Art die ich nicht gut erklären kann.
Was mich mehr beschäftigt sind die Dinge die weg sind. In Wels gab es bis in die neunziger Jahre eine große Güterverladestelle auf der Westseite des Bahnhofs, da wurden Maschinen verladen, manchmal Autos auf langen Flachwagen, und wenn man nachts dort vorbeifuhr leuchtete das ganze Gelände mit starken Scheinwerfern. Irgendwann war das weg, erst der Betrieb, dann das Licht, dann haben sie die Gebäude abgerissen, und jetzt ist dort einfach nichts. Ich habe nie verstanden warum mich das stört. Meine Frau Gerda hat einmal gesagt ich hänge an Dingen mehr als an Menschen, das hat sie nicht böse gemeint, ich glaube sie hatte recht, und ich glaube sie hat auch gewusst dass ich trotzdem an ihr gehangen habe, mehr als an allem anderen.
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