Was ich in der U-Bahn lerne
von amara_osei · 24. Juni 2026 · Biografie & Memoir
Amara protokolliert die tägliche U4-Fahrt. Eine Meditation über das Sehen des Neuen bevor es vertraut wird.
Linie U4, Richtung Hütteldorf, täglich 8:14 Uhr. Zwölf Minuten.
Der Mann mit der Zeitung. Das Kind das still weint. Die Studenten die zu laut sind aber aus echten Gründen. Der Himmel kurz vor Karlsplatz — drei Sekunden sichtbar, dann wieder Tunnel.
Ich schreibe diese Dinge auf weil ich merke dass ich anfange sie nicht mehr zu sehen.
Jeder Mensch der irgendwo neu ist trägt einen anderen Blick. Diese Sicht geht verloren sobald man dazugehört.
Ich bin seit neun Monaten in Wien. Ich gehöre noch nicht dazu. Deshalb schreibe ich: bevor ich aufgehört habe zu staunen.
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