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Was die Ría trägt

von Felix_Garmendia · 22. September 2026 · Reise & Natur

Der Erzähler besucht im Oktober die Ría de Arousa in Galicien und erkundet die Küstenlandschaft bei Ebbe – die Muschelfarmen, einen Graureiher, Eukalyptuswälder und die langsam wiederkehrende Flut. In präziser, stiller Beobachtung findet er Schönheit nicht im Spektakulären, sondern im Beharrlichen und Unspektakulären der Natur und menschlichen Arbeit.

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Die Ría bei Ebbe ist nicht schön im Sinne einer Postkarte. Sie ist breit und graubraun, zerknittert wie altes Tuch, und sie riecht nach Salz, vermischt mit etwas Älterem — Schlamm, der seine ganz eigene Biografie seit zehntausend Jahren angehäuft hat. Die Ría de Arousa zieht sich jeden Morgen von ihren Ufern zurück, so wie ein bedächtiger Mensch ein Laken zurückzieht, um die Matratze zu prüfen: langsam, ohne Drama, alles enthüllend.

Ich war im Oktober nach Galicien gekommen, weil die Rías sich im Oktober ehrlich verhalten. Die Sommermengen sind fort. Das Licht fällt in flacherem Winkel ein und bleibt bescheiden. Auf dem Weg entlang des Südufers bei Ribeira passierte ich steinerne Molen, so dicht mit Seepocken bewachsen, dass sie wie die Ruinen von etwas Absichtlichem aussahen, von etwas, das Ingenieure geplant hatten, denen Beständigkeit wichtiger war als Erscheinung. Vielleicht war dem so.

Die Muschelflöße waren das Erste, was mich wirklich innehalten ließ. Sie stehen in Reihen vor der Küste — rechteckige Holzplattformen, deren Seile ins Wasser hängen wie die Beine geduldiger Insekten. Aus der Ferne wirken sie provisorisch, geradezu prekär. Aus der Nähe — durch ein geliehenes Fernglas der Frau, die das kleine Café an der Molestraße betrieb — konnte ich sehen, dass jedes Floß an seinen Kanten von jahrelangem Handwerk und Wetter glattgeschliffen war, das Holz auf die Farbe von altem Eisen verdunkelt. Das sind Konstruktionen, die ohne Glamour instand gehalten werden, von Saison zu Saison angepasst von Menschen, die verstehen, dass das Wasser Nachlässigkeit nicht verzeiht. Mehr als dreitausend von ihnen gibt es in dieser Ría. Diese Zahl fand ich befriedigend, so wie statische Berechnungen befriedigend sind: Sie erklärt, warum etwas funktioniert.

Ein Graureiher stand zwanzig Meter vor mir an der Wasserlinie und dachte nicht daran, sich zu bewegen, als ich mich näherte. Er hatte sich auf einem freiliegenden Felsvorsprung postiert mit der Selbstsicherheit eines Vermessers, der die Messungen bereits abgeschlossen hat und nun einfach wartet, bis der Rest des Trupps aufgeholt hat. Das Wasser um ihn herum hatte die Farbe von Zinn und war in Bewegung. Kleine Wellen trafen im unregelmäßigen Rhythmus ein, wie jemand, der beim Nachdenken auf einen Tisch klopft.

Weiter vorne bog der Pfad leicht landeinwärts, und ich durchquerte einen Saum aus Eukalyptusbäumen — hoch, abblätternd, ihre Stämme knochenweiß im flachen Licht. Eukalyptus in Galicien ist ein bürgerlicher Streit in Baumform. Eingeführt, aggressiv; die Papierindustrie liebt ihn, die Naturschützer betrauern ihn, und die Landschaft hält beide Meinungen gleichzeitig in einem Zustand andauernder, undramatischer Spannung. Ihre Blätter machten unter den Füßen ein Geräusch wie zerknülltes Papier, was durchaus passend war.

Gegen Mittag hatte die Gezeit ihre Absichten geändert. Das Wasser kehrte über die Wattflächen zurück mit der gelassenen Gewissheit von etwas, das es nicht nötig hat zu eilen. Ich saß auf einer Steinmauer am Rand eines kleinen Fischerdorfs, dessen Namen ich zur stillen Belustigung aller Anwesenden immer wieder falsch aussprach, und beobachtete, wie die Ría sich füllte. Es ist ein Vorgang, der Stunden dauert und sich weigert, spektakulär zu sein. Das Wasser rückt einfach vor, besetzt jede flache Mulde und jeden Kanal ohne Ankündigung, und was trocken und strukturiert gewesen war, wird allmählich glatt und spiegelnd. Die Boote, die schräg im Schlamm gelegen hatten, richteten sich auf, langsam, wie Menschen beim Aufwachen.

Ein Mann in orangefarbener Ölhaut arbeitete sich über die Wattflächen vor, bevor das Wasser ihn erreichte, und sammelte etwas aus dem Schlamm — Muscheln wahrscheinlich, obwohl ich zu weit entfernt war, um sicher zu sein. Er bewegte sich in einem methodischen Rastermuster, das ich aus ganz anderen Zusammenhängen kannte: dieselbe Geometrie, die man anwendet, wenn man ein Entwässerungsnetz auf Verstopfungen prüft, Fläche für Fläche abtastend, ohne etwas auszulassen. Er blickte nicht auf. Die Arbeit war die Arbeit.

Ich aß in einem Lokal mit vier Tischen und einer laminierten Speisekarte zu Abend und bestellte Percebes, weil man mir gesagt hatte, ich solle es tun, und sie kamen und sahen aus, als hätte sie die Geologie hervorgebracht und nicht das Meer. Der Geschmack war intensiv marin, beinahe abstrakt. Die Frau, die sie brachte, sagte etwas auf Galicisch, das das Wort fresco enthielt, und machte eine Geste, die das Fenster umfasste und das Wasser dahinter und vielleicht das ganze Vorhaben, hier zu leben, was mir wie eine vernünftige Zusammenfassung erschien.

Auf dem Rückweg zu meiner Unterkunft war die Ría nun ganz gefüllt, dunkel und breit und scheinbar von Dauer, obwohl ich wusste, dass sie bis zum Morgen ihre Berechnungen erneut angestellt und sich zurückgezogen haben würde. Die Navigationslichter auf den Muschelflößen waren aufgegangen, kleine rote und grüne Punkte auf dem Wasser, die die Konstruktionen markierten, die dort draußen waren, ob jemand auf sie schaute oder nicht. Nützliche Dinge neigen dazu, sich nicht anzukündigen. Die Ría tat dies schon — einatmen, ausatmen — lange bevor irgendwer Molen oder Flöße oder kleine Cafés oberhalb der Wasserlinie gebaut hatte, und sie würde es noch tun, wenn all das verschwunden wäre.

Das ist kein melancholischer Gedanke. Er ist nur wahr.

Diese Geschichte wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Observation and attentionImpermanence and returnHuman labour and landscapeNature and ecological tensionSolitude and travel
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