Vier Zeichen auf einem Buch, das nicht zu verkaufen ist
von Eszter · 10. Juli 2026 · Biografie & Memoir
Eszter erzählt die Geschichte eines Petőfi-Gedichtbands anhand seiner vier physischen Spuren — Brandfleck, ausgestrichener Name, abgenutzte Seite, abgekratzter Stempel — inklusive einer erstmals erzählten Szene, wie ihre Großmutter 1956 einen jungen Mann namens Ferenc schützte und später seinen Namen unkenntlich machte.
Vor einem Monat nahm ein Kunde den Petőfi-Band aus dem Regal hinter der Kasse — nicht das Verkaufsregal, sondern das schmale über meinem Kopf, in dem ich vier unverkäufliche Bücher aufbewahre — und fragte, was er koste, und ich sagte, er sei nicht verkäuflich, und er fragte, warum man ein unverkäufliches Buch in einem Buchladen aufbewahre. Ich habe ihm nicht gut geantwortet. Ich versuche es jetzt hier, durch das Buch hindurch, denn es trägt vier Male, und am zweiten hängt eine Szene, die ich noch nie jemandem vollständig erzählt habe, nicht einmal so, wie ich sie jetzt erzählen werde.
**Das erste Mal** ist eine Brandstelle, eine braune verkohlte Mondsichel in der oberen Ecke des Einbands, fingernagelgroß. In der Nacht des vierten November 1956, als die Panzer zurück nach Budapest kamen, brannte etwas auf unserer Straße, und ein Funke flog durchs zerbrochene Küchenfenster auf einen Bücherstapel. Meine Großmutter schlug ihn mit einem nassen Tuch aus, bevor er mehr als das oberste Buch versengen konnte — dieses hier, das sie gerade jene Woche las.
**Das zweite Mal** ist ein Name, mit vier dicken Strichen durchgestrichen. Gegen starkes Licht steht darunter noch: Ferenc. Meine Großmutter hat mir den Rest nur einmal erzählt, 1998, drei Jahre vor ihrem Tod, in ihrer Küche, und ich gebe es hier genau so wieder, wie sie es mir gegeben hat.
Er brachte das Buch an einem Dienstag Ende Oktober zurück, sagte sie, zwei Tage nachdem die Studenten am Bem-Denkmal Petőfi gelesen hatten, und er stand in ihrer Tür und hielt es flach gegen die Brust, wie etwas, das er nicht hergeben wollte. Er sah älter aus als drei Wochen zuvor, sagte sie, obwohl es nur drei Wochen gewesen waren. „Halt es eine Weile geschlossen", sagte er, und als sie fragte, warum, sagte er: „Weil offene Bücher gelesen werden, und Gelesenes wird wiederholt, und Wiederholtes merken sich die falschen Leute", und sie lachte ihn aus, sagte sie, weil es klang wie aus einem Roman, und er lachte nicht zurück. Er fragte, ob er fünf Minuten sitzen dürfe, nur fünf, und sie machte Tee, den keiner von beiden trank, und an der Tür, im Gehen, drehte er sich einmal um und sagte ihren Namen — nicht den des Buches, ihren —, als wollte er prüfen, ob er noch funktionierte, noch etwas Gewöhnliches bedeutete. Dann nahm er die Treppe zwei Stufen auf einmal, so wie junge Männer es tun, wenn sie wollen, dass man glaubt, sie hätten es nicht eilig.
Sie hat ihn nie wiedergesehen. Im Dezember, als der Hausausschuss begann, von den Wohnungen Listen ausgeliehener und verliehener Bücher zu verlangen — eine private Bibliothek war eine Papierspur, und eine Papierspur konnte einen Namen an ein bestimmtes Denkmal an einem bestimmten Tag setzen —, saß sie an diesem selben Tisch, an einem Abend, den sie mir als ungewöhnlich still beschrieb, kein Radio, ihr Mann schon eingeschlafen, nahm den Stift, mit dem sie Einkaufslisten schrieb, und strich Ferencs Namen mit vier Strichen durch, so fest, dass die Feder fast durch die Seite ging. Sie sagte, sie habe die ganze Zeit ein Klopfen an der Tür erwartet, und als tatsächlich eines kam, zwanzig Minuten später, drei scharfe Schläge, saß sie mit dem Stift in der Hand vollkommen reglos, bevor sie begriff, dass es nur Frau Deák aus dem dritten Stock war, die Zucker leihen wollte. Sie gab ihr den Zucker. Vom Buch sagte sie nichts.
**Das dritte Mal** ist keine Tinte, sondern Abnutzung — eine Weichheit bei Seite 34, wo das Buch sich inzwischen von selbst öffnet. Seite 34 ist „Nemzeti dal". Sie las es einmal im Jahr laut vor, am 23. März, allein, bei geschlossener Tür, von 1957 bis 1989, und hörte erst auf, als es nicht mehr gefährlich war, dabei gehört zu werden.
**Das vierte Mal** ist ein abgekratztes Rechteck im Einband, wo ein Stempel eines Fabrik-Lesezirkels aus Angyalföld — 1957 „umorganisiert", was Beschlagnahmung und größtenteils Verbrennung bedeutete — mit einer Klinge entfernt wurde, in dünnen Streifen, über den größten Teil eines Abends hinweg.
Ich habe dem Kunden nichts davon erzählt. Ich sagte ihm, es sei nicht verkäuflich, und nach seinem Weggehen stand ich eine Weile mit dem Buch hinter der Kasse und dachte an eine Tür im Oktober 1956 und einen Namen, der drei Wochen nach seinem letzten Aussprechen aufhörte, etwas Gewöhnliches zu bedeuten. Dann nahm ich den Auszeichnungsbleistift und schrieb, klein, an den Rand bei Seite 34, das heutige Datum. Ich stellte das Buch zurück ins schmale Regal und sagte dem nächsten Kunden, wir hätten kein zweites Exemplar, was zum ersten Mal in der Geschichte dieses Ladens vollkommen wahr war.
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