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Die richtige Art zu trauern

von Tigist · 20. September 2026 · Familie & Generationen

Yonas, ein junger Mann aus Addis Abeba, kehrt für das Begräbnis seiner Großmutter Selamawit zur Familie zurück und glaubt, Trauer bereits zu verstehen. Durch kleine, unerwartete Momente – ein repariertes Telefon, ein schweigender Onkel, eine beiläufige Bemerkung der Mutter – begreift er, dass Trauer nicht in Phasen verläuft, sondern in konkreten, stillen Wahrheiten. Die Geschichte beobachtet mit feiner Ironie, wie eine Familie gemeinsam trauert, ohne viel darüber zu sprechen.

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Großmutter Selamawit starb an einem Donnerstag, was alle als ungünstig empfanden. Das Begräbnis würde zwei Schultage durchkreuzen, eine Abgabefrist bei einer Behörde und den Führerscheintest des Cousins Fekadu, den er bereits zweimal verschoben hatte und nicht noch einmal verschieben konnte, ohne seine Anzahlung zu verlieren.

Die Familie kam trotzdem zusammen. Das ist es, was Familien tun. Sie lassen ihre Anzahlungen verfallen und kommen.

Yonas, dreiundzwanzig, kam aus seiner Wohngemeinschaft in Megenagna mit dem besonderen Gesichtsausdruck eines jungen Mannes, der beschlossen hat, dass er die Trauer bereits versteht. Er hatte darüber gelesen. Er hatte sogar einen Artikel über die fünf Phasen geteilt, ins Amharische übersetzt von jemandem, der ihn offensichtlich aus einer französischen Übersetzung des englischen Originals übersetzt hatte, was erklärte, warum sich die Phasen vage wie eine Anleitung zum Zusammenbauen von Möbeln anfühlten.

Seine Mutter Hiwot empfing ihn am Tor. Sie trug ihr Trauerkleid und hielt ein Tablett mit Kaffee. Sie stellte das Tablett nicht ab, um ihn zu umarmen. Das war keine Kälte. Das war Effizienz. Sechzig Menschen waren im Hof und der Kaffee würde sich nicht selbst einschenken.

„Du siehst dünn aus", sagte sie.

„Ich bin nicht dünn", sagte er.

„Du bist dünn und hast nichts gegessen."

„Ich habe im Minibus gegessen."

Sie sah ihn mit dem Blick an, den Mütter in dieser Familie offenbar seit Generationen wie Silberbesteck weitergaben. Er sagte: was du im Minibus gegessen hast, zählt nicht.

Drinnen saßen die älteren Frauen im inneren Zimmer bei Großmutters Foto, das 1987 in einem Studio aufgenommen worden war und sie überrascht zeigte, als hätte ihr gerade jemand etwas gesagt, das sie sich weigerte zu glauben. Das stimmte. Großmutter hatte die letzten vierzig Jahre damit verbracht, Dinge nicht zu glauben. Es hatte ihr gut gedient.

Yonas saß bei den Männern seines Alters, die größtenteils auf ihre Handys schauten. Er steckte sein Handy demonstrativ weg, was niemand bemerkte. Er faltete die Hände. Er versuchte, auf die richtige Weise auf die Trauer zuzugreifen.

Sein Onkel Tesfaye, einundsechzig, kam spät und setzte sich ohne Erklärung neben ihn. Tesfaye roch nach Zigaretten und dem besonderen Parfüm, das er seit 1994 trug. Er war vier Stunden aus Adama gefahren. Auch das erklärte er nicht. Er saß einfach da, und sein Sitzen hatte ein Gewicht, das Yonas unerwarteterweise stabilisierend fand.

„Sie hat mir erzählt", sagte Tesfaye schließlich, „dass du derjenige warst, der letztes Jahr ihr Telefon repariert hat."

„Es waren nur die Einstellungen", sagte Yonas.

„Sie hat mich danach jede Woche angerufen. Acht Monate lang hatte sie mich nicht anrufen können. Die Einstellungen."

Yonas sagte nichts. Er entdeckte, langsam und ohne die Hilfe des Artikels, dass Trauer nicht in Phasen kommt. Sie kommt in kleinen, konkreten Tatsachen, jede davon eine Tür, die sich zu einem Zimmer öffnet, von dem man nicht wusste, dass es existiert.

Hiwot kam wieder mit dem Kaffeetablett herein und blieb neben ihnen stehen. Sie schenkte ein, ohne zu fragen, so wie die Frauen in dieser Familie einschenkten — als Aussage, nicht als Frage.

„Sie hat von dir gesprochen", sagte Hiwot zu Yonas, ohne ihn anzusehen, den Blick auf den Kaffee gerichtet. „Mehr, als sie dir gesagt hat."

„Was hat sie gesagt?"

„Dass du ernsthaft bist. Dass ernsthaften Menschen Aufmerksamkeit geschenkt werden muss." Sie ging weiter. Das Tablett wartete nicht.

Draußen im Hof liefen die Kinder. Drei von ihnen gehörten Fekadu, der übrigens seinen Führerscheintest bestanden hatte — niemand hatte daran gedacht, Yonas das zu sagen — und der jetzt am Tor stand und auf sein Handy schaute mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der die Geometrie seines Lebens neu berechnet.

Die Kinder liefen im Kreis. Sie wussten nicht, dass sie traurig sein sollten. Oder sie wussten es und hatten entschieden, dass Laufen eine vernünftige Antwort auf Trauer ist, was man durchaus so sehen kann.

Yonas beobachtete sie. Ein Mädchen, vielleicht sieben, blieb direkt vor ihm stehen, musterte ihn so, wie kleine Kinder Erwachsene mustern, die sie noch nicht eingeordnet haben, und lief dann wieder weg. Er empfand das als eine Art Urteil.

Tesfaye saß noch immer neben ihm. Er hatte sich seit vierzig Minuten nicht bewegt. Seine Stille war eine Art Anweisung, begann Yonas zu verstehen. Man trauert nicht für die Toten. Man bleibt einfach im Hof, wo sie einmal waren, man trinkt den Kaffee, der eingeschenkt wird, ob man ihn will oder nicht, man lässt die Kinder laufen, und man bleibt.

Das, so schien es, war die richtige Art.

Hiwot kam zum dritten Mal vorbei. Diesmal ließ sie das Tablett stehen und legte kurz ihre Hand auf Yonas' Schulter — eine Sekunde, nicht mehr — und ging weiter.

Es war genug. Es war, genau genommen, das gesamte Erbe.

Diese Geschichte wurde mit Hilfe von KI erstellt.

grief and its unpredictabilityintergenerational family bondsthe gap between intellectual understanding and lived experience
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