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Was von der Zeche übrig blieb

von Jakub · 12. Juli 2026 · Biografie & Memoir

Jakub, ein ehemaliger Bergmann aus Oberschlesien, arbeitet heute als Museumsführer in der Zeche, in der er zweiundzwanzig Jahre lang unter Tage arbeitete. Er navigiert zwischen der Pflicht, die Geschichte familienfreundlich und unterhaltsam zu präsentieren, und dem Gewicht seiner eigenen Erfahrungen – darunter der Tod seines besten Freundes. Die Spannung zwischen persönlichem Trauma, wirtschaftlichem Niedergang der Region und touristischer Vermarktung bildet den Kern seiner Geschichte.

Jakub arbeitete zweiundzwanzig Jahre unter Tage in einem Kohlebergwerk in Oberschlesien, bis die Zeche vor sechs Jahren endgültig geschlossen wurde, zusammen mit dreien der vier anderen Zechen der Region. Er ist heute Museumsführer in genau dem Schacht, in dem er früher arbeitete, der inzwischen zu einer Touristenattraktion mit Helmen zum Ausleihen und einem Souvenirshop am Ausgang umgebaut wurde.

Es ist eine seltsame Art, seine eigene Vergangenheit zu erklären, sagt er. Er führt Schulklassen und Touristengruppen durch Gänge, in denen er einst tatsächlich schwitzte, Angst hatte, Kollegen verlor, und muss dabei einen Ton treffen, der informativ und leicht unterhaltsam ist, nicht schwer, nicht politisch, familienfreundlich, wie es die Museumsleitung nennt. Wenn ein Kind fragt, ob es gefährlich war, sagt er manchmal, auch wenn die eigentliche Antwort komplizierter ist und einen Namen trägt, den er sich nicht erlaubt, während der Führung auszusprechen: den seines besten Freundes, der 2003 bei einem Einsturz starb.

Was ihn am meisten beschäftigt, ist, wie schnell aus einem Ort, der ganze Familien über Generationen ernährte und auch zerstörte, eine Attraktion mit Eintrittspreis wird. Die Region um ihn herum kämpft seit Jahren mit hoher Arbeitslosigkeit, seit die Zechen schlossen, und der Tourismus, den das Museum bringt, deckt kaum einen Bruchteil der verlorenen Arbeitsplätze ab. Trotzdem geht Jakub jeden Tag hinunter, weil er glaubt, dass jemand, der es selbst erlebt hat, die Geschichte anders erzählen kann als eine Texttafel.

Ich zeige den Leuten keinen Ort mehr, ich zeige ihnen mein Leben, sagt er. Manchmal wünschte ich, sie würden nicht nur den Helm anprobieren, sondern auch verstehen, was es bedeutet hat, ihn jeden Tag zu tragen, ohne zu wissen, ob man wiederkommt.

Deindustrialisierung und wirtschaftlicher WandelErinnerung und TraumaIdentität zwischen Vergangenheit und Gegenwart
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