Warum ich aufgehört habe, stark zu sein
von Paul · 12. Juli 2026 · Biografie & Memoir
Paul, ein australischer Feuerwehrmann mit achtzehn Dienstjahren, beschreibt, wie ihn die jahrzehntelang eingenommene Rolle des unerschütterlichen Felsens seiner Wache beinahe zerstört hat. Erst ein Zusammenbruch im Alltag und eine darauffolgende Therapie ließen ihn erkennen, dass sein Körper längst reagierte, was sein Kopf verdrängt hatte. Heute spricht er offen über seine PTBS-Diagnose und plädiert für einen kulturellen Wandel in der Feuerwehr.
Paul arbeitete achtzehn Jahre als Feuerwehrmann in Melbourne und war bekannt, so beschreibt er es selbst mit einem trockenen Lächeln, als der Fels seiner Wache — der Mann, der nach den schlimmsten Einsätzen als Erster wieder scherzte, der nie zusammenbrach, der jüngeren Kollegen sagte, man gewöhne sich daran. Vor vier Jahren merkte er, während eines gewöhnlichen Einkaufs im Supermarkt, dass er den Verpackungsgeruch von Rinderhackfleisch nicht mehr ertrug, ohne dass ihm übel wurde, und konnte nicht erklären, warum.
Es dauerte Monate, bis ein Therapeut ihm half zu verstehen, dass sein Körper längst reagierte, obwohl sein Kopf weiterhin behauptete, alles sei in Ordnung. Die Rolle des Felsens hatte ihm über Jahre geholfen, funktionsfähig zu bleiben, aber sie hatte auch verhindert, dass er je verarbeitete, was er gesehen hatte. Jeder schwere Einsatz wurde weggesteckt, mit einem Witz, einem Bier nach der Schicht, einem Spruch wie das gehört zum Job.
Was ihn heute am meisten beschäftigt, ist eine Beobachtung über seinen Beruf im Allgemeinen: Die Kultur der Feuerwehr belohnt genau das Verhalten, das langfristig am gefährlichsten ist. Wer nichts an sich heranlässt, gilt als zuverlässig. Wer zugibt, dass ihn ein Einsatz mitnimmt, gilt manchmal als weniger belastbar, obwohl das Gegenteil oft stimmt. Paul spricht inzwischen offen in seiner alten Wache über seine Diagnose, nicht aus Eitelkeit, sondern weil er glaubt, dass die jüngere Generation etwas anderes lernen sollte.
Ich war zwanzig Jahre lang stark, und stark hat mich fast zerstört, sagt er. Was ich jetzt versuche zu sein, ist ehrlich. Das fühlt sich manche Tage schwächer an. Ich glaube, es ist das Gegenteil.
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