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Die Frau in Wohnung 4

von valentina_cruz · 24. Juni 2026 · Krimi & Thriller

2:17 Uhr, Guadalajara. Eine Tote in einer verschlossenen Wohnung -- aufgebahrt, kein Kampf. Im leerstehenden Gebaeude gegenueber erloescht ein Licht.

Der Anruf kam um 2:17 Uhr morgens.

Beamtin Reyes war auf der anderen Seite. Valentina hatte schon mit ihr gearbeitet. Reyes war sorgfältig und sagte ihr keine Dinge, die sie nicht sicher wusste.

»Wir haben eine Tote. Colonia Americana, Calle Morelos. Drittes Stockwerk.«

»Wer hat sie gefunden?«

»Die Nachbarin von unten. Sie hörte etwas fallen und wartete eine Stunde, bevor sie anrief — sie dachte, es wäre der Fernseher.«

»Was wissen wir?«

»Frau, Mitte vierzig. Hernández auf dem Briefkasten. Keine Einbruchsspuren. Keine Kampfspuren.« Eine Pause. »Und die Lage. Sie liegt auf dem Rücken. Arme an den Seiten. Beine zusammen. Als hätte jemand sie aufgebahrt.«

Valentina hörte auf, sich zu bewegen. »Als hätte jemand sie aufgebahrt.«

»Ja.«

Sie kam um 2:41 an. Das Gebäude in der Calle Morelos: vier Stockwerke rosa Putz, der aufgehört hatte, fröhlich zu sein. Die Wohnungstür war von innen abgesperrt, die Kette vorgelegt. Der erste Beamte vor Ort hatte sie aufgeschnitten. Valentina merkte sich das.

Die Wohnung war klein und sorgfältig geordnet — die Wohnung von jemandem, der genau entschieden hatte, wie er leben wollte. Pflanzen auf der Fensterbank, alle gesund. Bücher nach Farbe geordnet. Fotos an einer Wand: eine Frau, die leicht und oft lächelte.

Die Frau auf dem Boden lächelte nicht.

Sie lag, wie Reyes gesagt hatte, aufgebahrt. Arme nah an den Seiten, Beine geschlossen, weiße Bluse, dunkle Hose. Augen geschlossen. Gesicht ruhig.

»Todeszeitpunkt?« fragte Valentina den Spurensicherungsbeamten.

»Grobe Schätzung: acht bis zwölf Stunden. Also zwischen zwei und sechs Uhr heute Nachmittag.«

»Todesursache?«

»Kein sichtbares Trauma. Keine Kampfspuren. Die Toxikologie wird mehr ergeben.«

»Könnte sie so natürlich gefallen sein?«

»Wenn sie ohnmächtig wurde und gerade nach hinten fiel, wäre das möglich. Aber die Arme liegen zu nah am Körper. Wenn Menschen ohnmächtig werden, fallen sie nicht wie Soldaten beim Appell.«

»Sie kannte ihren Mörder.« Keine Frage.

Sie ging zum Fenster. Unten war die Straße leer. Im Gebäude gegenüber brannte ein Fenster im dritten Stock.

»Wer wohnt in Wohnung 4?« sagte sie. »Drüben. Drittes Stockwerk.«

Reyes funkte. Die Antwort kam nach vierzig Sekunden.

»Niemand. Seit sechs Monaten leer.«

Das Licht erlosch, sehr gezielt.

»Sofort jemanden rüber«, sagte Valentina. »Jetzt sofort.«

Sie war schon auf dem Weg zur Tür.

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