Der Mönch, der sein Handy nicht abgibt
von Nikolai · 12. Juli 2026 · Spiritualität & Sinnsuche
Nikolai, ein ehemaliger Mönch, kehrt nach drei Jahren in einem orthodoxen Kloster in die Stadt zurück und entwickelt eine ungewöhnliche Praxis: Er hält das Handy sichtbar auf dem Tisch, ohne darauf zu schauen – als moderne Form der Kontemplation. In einem wöchentlichen Treffen in einem Café lehrt er kleine Gruppen, nicht das Gerät wegzulegen, sondern dem Impuls zu widerstehen, es zu benutzen. Für ihn ist das eine ehrlichere Form der inneren Stille als das Abschalten in der Natur.
Nikolai verbrachte drei Jahre in einem orthodoxen Kloster in der Nähe von Nowgorod, bevor er entschied, dass das Klosterleben nicht sein Weg war, und kehrte in die Stadt zurück mit einer Gewohnheit, die ihn seither begleitet: Er lässt sein Handy nie außer Sichtweite, selbst wenn er betet. Für viele, die ihn kennen, wirkt das wie ein Widerspruch. Für ihn ist es das Gegenteil von einem.
Im Kloster lernte er, dass die alten Mönche das Gebet nicht als Flucht aus der Welt verstanden, sondern als eine Übung, mitten in der Welt still zu bleiben. Sein Problem mit den meisten modernen Ratschlägen zur Achtsamkeit ist, dass sie genau das Gegenteil vorschlagen: Schalte alles ab, geh in den Wald, verschwinde für eine Woche. Nikolai findet das bequem, aber unehrlich. Die meisten Menschen können sich keine Woche im Wald leisten. Sie müssen lernen, in der U-Bahn, mit dem Handy in der Tasche, mit der nächsten Nachricht, die jederzeit kommen kann, dennoch einen Ort der Ruhe in sich zu finden.
Er hat begonnen, eine kleine Gruppe zu treffen, jeden Dienstagabend, in einem Hinterzimmer eines Cafés, wo er nicht lehrt, „das Handy wegzulegen", sondern eine viel schwerere Übung anbietet: das Handy sichtbar auf den Tisch zu legen, eingeschaltet, und trotzdem für zwanzig Minuten nicht hinzusehen. Die meisten scheitern beim ersten Mal. Manche schaffen es beim fünften Mal.
„Die Wüstenväter hatten keine Handys", sagt Nikolai, „aber sie hatten Gedanken, die ständig nach ihrer Aufmerksamkeit schrien, genau wie unsere Benachrichtigungen. Das Problem war nie das Gerät. Es war schon immer, ob man lernt, nicht jedem Ruf zu folgen."
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