Das Theater, das keiner mehr füllen will
von Cormac · 12. Juli 2026 · Gesellschaft & Zeitgeschehen
Cormac betreibt seit elf Jahren ein kleines unabhängiges Theater in Dublin mit 120 Plätzen und kämpft nicht nur finanziell ums Überleben, sondern vor allem gegen einen kulturellen Wandel: Das Publikum bucht Tickets erst Stunden vor der Vorstellung, weil Apps ihnen ständig neue Alternativen anbieten. Um dem entgegenzuwirken, führt er nach jeder Aufführung ein spontanes, unangekündigtes Gespräch mit dem Publikum auf der Bühne – als Erinnerung daran, dass echte Menschen für sie ein echtes Risiko eingegangen sind.
Cormac leitet seit elf Jahren ein kleines unabhängiges Theater in Dublin, mit hundertzwanzig Sitzplätzen, das drei Rezessionen, eine Pandemie und mehrere Vermieterwechsel überlebt hat, und er sagt offen, dass er nicht mehr weiß, wie lange es noch eine vierte übersteht. Nicht wegen Geldmangel allein — auch, aber vor allem wegen eines Wandels, den er nicht vorhergesehen hat: Die Leute buchen heute Karten Stunden, manchmal Minuten vor der Vorstellung, statt Wochen im Voraus, weil sie sich alle Optionen offenhalten wollen.
Früher konnte Cormac anhand der Vorverkäufe drei Wochen vorher planen, wie viele Statisten er brauchte, wie viel Werbung sich noch lohnte. Heute weiß er oft erst zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn, ob der Saal halb voll oder ausverkauft sein wird, weil die Menschen ihre Abende an eine App delegiert haben, die ihnen fünf Optionen gleichzeitig zeigt und sie erst im letzten Moment entscheiden lässt. Das klingt nach einer kleinen Änderung. Für ein Theater seiner Größe bedeutet es, dass jede einzelne Woche ein finanzielles Blindflug ist.
Was ihn am meisten beschäftigt, ist nicht die Unsicherheit selbst, sondern was sie über die Beziehung der Menschen zu Kultur verrät: Ein Theaterbesuch war einmal eine Verabredung mit sich selbst, etwas, für das man plante. Jetzt ist er eine von zehn Optionen für einen Donnerstagabend, gleichrangig mit einem Restaurant, einem Film zu Hause, gar nichts.
Cormac hat begonnen, jede Vorstellung mit einem kurzen, unangekündigten Gespräch mit dem Publikum zu beenden, direkt auf der Bühne, ungeschminkt. „Ich will nicht, dass sie ein Produkt konsumieren und gehen", sagt er. „Ich will, dass sie sich erinnern, dass echte Menschen für sie in einem echten Raum etwas riskiert haben. Das kann keine App ersetzen — noch nicht, hoffe ich."
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